Tja, wer mich jetzt für doof hält, muss sich den auf Netzpolitik verlinkten Clip einer Bundespressekonferenz mit Schäuble anhören. Dort sagt er nämlich, dass seine laienhafte Verstellung, dass Internet sei etwas ähnliches wie eine moderne Telefonanlage, schon lange nicht mehr stimmt. Dass es nicht stimmt, da hat er recht. Dass er nicht mehr stimmt… ich weiß nicht…
Das passt auch schön zum gestrigen Auftritt des BKA-Präsidenten Jörg Ziercke in der Osnabrücker Ringvorlesung zum Thema Kriminalistik. Sehr interessant ist folgendes Zitat aus seiner Zierckes Antwort zum Thema Online-Durchsuchung (entnommen aus dem zugehörigen Heise-Artikel):
Dieses Programm, was wir da entwickeln, muss ein Unikat sein, darf keine Schadsoftware sein, darf sich nicht selbst verbreiten können und muss unter der Kontrolle dessen stehen, der es tatsächlich einbringt, wobei die Frage des Einbringens die spannendste Frage für alle überhaupt ist. Ich kann Ihnen hier öffentlich nicht beantworten, wie wir da konkret vorgehen würden. Sie können sich die abstrakten Möglichkeiten vorstellen, mit dem man über einen Trojaner, über eine Mail oder über eine Internetseite jemanden aufsucht. Wenn man ihnen erzählt hat, was für eine tolle Website das ist oder eine Seite mit ihren Familienangehörigen, die bei einem Unfall verletzt worden sind, sodass sie dann tatsächlich die Seite anklicken. Die Geschichten sind so vielfältig, dass es kaum jemanden gibt, der nicht auf irgendeine Form dieser Geschichte hereinfällt. Oder aber wir gehen den Weg über verdeckte Maßnahmen.
Ich persönlich würde ein Programm als Schadprogramm bezeichnen, wenn es meinen Rechner ausspioniert. Egal zu welchem Zweck. Und dass er eine “Seite mit ihren Familienangehörigen, die bei einem Unfall verletzt worden sind” als möglichen Weg hält, dieses “Nicht-Schadprogramm” auf den Rechnern zu installieren, ist für mich pervers. Ich finde es nicht richtig, Menschen fälschlicherweise zu erzählen, ihre Verwandten seien bei einem Unfall verletzt worden. Noch interessanter finde ich jedoch die Überlegung, welche Art von Nutzern man damit erreicht. Ich denke nicht, dass eine mit Computern erfahrene Person auf sowas primitives reinfällt. Andererseits frage ich mich, was man von Leuten erwarten soll, die funktionsfähige Bomben bauen können ohne sich selbst gleich in die Luft zu sprengen. Ich würde vielleicht die Anforderungen nochmal überdenken.